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Verzicht auf den Einsatz von mineralischem Mulch an hitzeproblematischen Standorten in der Innenstadt

Die Vertreterinnen und Vertreter der SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke,

Gerechtigkeitspartei, Bürger für Hanau und FDP im Ortsbeirat Innenstadt bitten darum,

folgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen.

Der Magistrat wird gebeten, 

1. bei zukünftigen Stadtplanungs- und Freiraumgestaltungsmaßnahmen in bereits hitze- und wärmebelasteten Bereichen der Hanauer Innenstadt auf den Einsatz von mineralischem Mulch, insbesondere Kalkstein-, Basalt-, Granit- oder Lavagestein, möglichst zu verzichten, 

2. stattdessen klimaaktive Alternativen wie begrünte und vegetationsbedeckte Flächen, klimaresiliente Pflanzungen und verschattende Bäume zu prüfen und einzusetzen, soweit dem keine fachlichen oder standortbedingten Gründe entgegenstehen, 

3. bei der Auswahl von Oberflächenmaterialien neben Pflegeaufwand und Regenwasserrückhalt auch deren sommerliche Oberflächentemperatur, Verdunstungsleistung, Wärmespeicherung und nächtliche Abkühlung zu berücksichtigen.

Begründung:

Die Hanauer Innenstadt ist bereits heute von einer erheblichen sommerlichen Wärmebelastung betroffen. Die Hanauer Stadtklimaanalyse weist für Teile der Innenstadt eine nächtliche Überwärmung von mehr als 4 K gegenüber unbebauten Freiflächen im Umland aus. Gleichzeitig werden für die kommenden Jahrzehnte weitere Temperaturzunahmen und häufigere Hitzeperioden erwartet.

Gerade an solchen Standorten sollte die Stadtplanung darauf ausgerichtet sein, zusätzliche stark aufgeheizte Oberflächen möglichst zu vermeiden und vorhandene Möglichkeiten zur Verdunstungs- und Verschattungskühlung zu nutzen.

Mineralischer Mulch hat durchaus gärtnerische Vorteile. Er kann Pflegeaufwand reduzieren, unerwünschten Bewuchs unterdrücken, Erosion vermindern und die Bodenfeuchte erhalten. Diese Eigenschaften bedeuten jedoch nicht automatisch eine günstige Wirkung auf das Mikroklima.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich mineralische Mulch- und Kiesflächen bei direkter Sonneneinstrahlung erheblich aufheizen können. Eine aktuelle Untersuchung verschiedener Oberflächen in Wohnstraßen ermittelte bei sonnenexponierten Flächen durchschnittlich 48,7 °C für Mulch und 55,6 °C für Kies, während grüner Rasen im Mittel 29,9 °C erreichte. Mulch und Kies gehörten damit zu den besonders heißen Oberflächen.

Im Unterschied zu Vegetation verfügen mineralische Oberflächen außerdem nicht über eine vergleichbare Verdunstungskühlung. Pflanzen können einen Teil der eingestrahlten Energie durch die Verdunstung von Wasser abführen. Untersuchungen zu Kiesmulch zeigen zudem, dass eine mineralische Schicht den Wasserdampftransport aus dem Boden behindern und damit die Bodenverdunstung reduzieren kann.

Auch die Wärmespeicherung und verzögerte Wärmeabgabe sind für die Beurteilung relevant. Mineralische Mulchschichten können Wärme im Oberflächen- und Bodenbereich aufnehmen und speichern. Dadurch kann sich die Abkühlung nach Sonnenuntergang verzögern. Welche Wirkung im Einzelfall entsteht, hängt zwar von Material, Schichtdicke, Feuchtigkeit und Standort ab; gerade deshalb sollte die thermische Wirkung nicht nur zur Mittagszeit, sondern über den gesamten Tagesverlauf betrachtet werden.

Erfahrungen und eigene Messungen in Hanau

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse werden durch eigene Messungen an Hanauer Standorten ergänzt.

Am 27. Juni 2026 wurden am Platz an der Alten Johanniskirche bei sommerlichen Bedingungen auf dem angrenzenden Pflaster Oberflächentemperaturen von etwa 44 bis 50 °C gemessen. Auf dem mineralischen Mulch lagen die gemessenen Temperaturen dabei durchgängig etwa 15 °C höher.

Seitens der Hanauer Infrastruktur (HIS) wurde darauf hingewiesen, dass diese Problematik bekannt sei und sich nach zwei bis drei Jahren erledige, sobald die Flächen vollständig bewachsen seien. Als Vergleich wurde unter anderem auf die Frankfurter Straße und den Neubau der Unterführung verwiesen.

Um diese Einschätzung an einem bereits länger bestehenden Standort zu überprüfen, wurden dort am 12. Juli 2026 bei einer Außentemperatur von etwa 33 °C erneut Messungen mit einem Infrarot-Lasermessgerät durchgeführt.

Dabei zeigte sich, dass auch nach mehreren Jahren keine durchgehend geschlossene, bodendeckende Vegetation auf den mineralischen Mulchflächen vorhanden war. Auf den noch freiliegenden mineralischen Flächen wurden gleichzeitig Oberflächentemperaturen von bis zu 64 °C gemessen.

Die Messungen stellen keine wissenschaftliche Vergleichsstudie dar. Sie liefern jedoch einen konkreten Anlass, die Annahme kritisch zu überprüfen, dass sich die thermische Problematik mineralischer Mulchflächen nach zwei bis drei Jahren durch vollständigen Bewuchs erledigt.

Die Beobachtungen an dem bereits mehrere Jahre bestehenden Vergleichsstandort bestätigen jedenfalls nicht die Erwartung einer kurzfristig vollständig geschlossenen Vegetationsdecke. Damit muss aus unserer Sicht berücksichtigt werden, dass die hohen Oberflächentemperaturen mineralischer Mulchflächen über mehrere Jahre tatsächlich bestehen können.

Für die Planung bedeutet dies: In Bereichen, die bereits durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und fehlende Verschattung thermisch belastet sind, sollte nicht zusätzlich eine Oberfläche gewählt werden, die sich bei Sonneneinstrahlung auf Temperaturen von 60 °C und mehr aufheizen kann.

Es geht ausdrücklich nicht um ein generelles Verbot von mineralischem Mulch. An geeigneten Standorten kann er aus gärtnerischer Sicht sinnvoll sein. In bereits hitzeproblematischen und insbesondere stark sonnenexponierten Bereichen der Innenstadt sollte jedoch die klimatische Wirkung höher gewichtet werden.

Die Stadt sollte daher dort, wo Hitzebelastung bereits heute ein Problem darstellt, Lösungen bevorzugen, die Regenwasserrückhalt mit Verdunstungskühlung, Verschattung und möglichst niedrigen Oberflächentemperaturen verbinden.

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