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Bebauungsplan Nummer 24 "Entwicklung Freiheitsplatz"

Öffentlichkeitsbeteiligung

Einwende gegen die Freiheitsplatzbebauung

Argumentationshilfe

Stadtklimapolitische Einwendungen zur geplanten Bebauung des Freiheitsplatzes 

Der Freiheitsplatz stellt bereits heute den stärksten Überwärmungsraum und gleichzeitig den am schlechtesten durchlüfteten Platz  im Stadtgebiet Hanau dar.  (Quelle: DWD-Klimagutachten von 1992, Klimaexpertise des DWD 2010, S.11.ff) Hieraus resultiert eine hohe thermische Belastung, vor allem in den Sommermonaten. In Zukunft wird sich diese Tendenz aus verschiedenen Gründen noch weiter verstärken.

Der den Planungsunterlagen angehörende  aktuelle Umweltbericht  der Stadt Hanau geht im Wesentlichen nur der Frage nach, welche Veränderung auf dem Freiheitsplatz allein aufgrund der hier geplanten Bebauung  zu erwarten ist.  Dadurch werden zahlreiche andere  für das Stadtklima relevante Faktoren systematisch ausgeblendet.

Beispielsweise wurde der Frage der in Zukunft zu erwartenden Erwärmungseffekte sowie weiterer Verschlechterungen der Durchlüftungssituation des innerstädtischen Raumes durch  Einflüsse, die außerhalb der im Rahmen des Wettbewerblichen Dialoges geplanten Baumaßnahmen  liegen, keinerlei Bedeutung beigemessen. Dies, obwohl die globale  Klimaerwärmung  nach übereinstimmender Meinung von Fachleuten auch in absehbarer Zukunft zunehmen wird. In vielen anderen Städten  sehen Stadtplaner die Notwendigkeit  innerstädtische, wohnortnahe Grünzonen zu schaffen,  sogenannte Kaltluftinseln, denen eine wichtige klimaregulierende Funktion  zukommt. In Hanau hingegen benennt bereits das Klimagutachten des DWD von 1992, dass es kaum Grünflächen gibt, die für den Bereich der Innenstadt eine klimatisch günstige Funktion entfalten.  Während die neue Klimaexpertise des DWD  in Fortschreibung  dieses Klimagutachtens konstatiert, dass der geplante Umbau des Freiheitsplatzes den im Gutachten von 1992 gemachten Empfehlungen nicht folgt,(Quelle: Klimaexpertise des DWD, S. 16) negative Auswirkungen mit sich bringen wird und die Notwendigkeit weiterer klimatischer Untersuchungen besteht,  werden  im Umweltbericht der Stadt diese Schlussfolgerungen stark verkürzt dargestellt und insbesondere deren kritische Aspekte schlicht unterschlagen.

Des Weiteren wurde im aktuellen Umweltbericht  der Stadt Hanau der Frage überhaupt nicht nachgegangen, inwieweit die Gesamtheit der - außerhalb des Wettbewerblichen Dialoges - bereits kürzlich durchgeführten  und noch in Planung befindlichen Bauprojekte die ohnehin schlechte Be- und Entlüftungssituation der Hanauer Innenstadt  weiter negativ beeinflusst. Ebenfalls gänzlich unberücksichtigt bleibt die Frage, inwieweit das Zusammenwirken dieser möglicher Negativfaktoren zu wechselseitigen Verstärkungseffekten führt.

So liegen gleich mehrere  große neuentstandene Baukörper in nördlicher, bzw. nordöstlicher  Richtung der Innenstadt und damit in ihrer wichtigsten Haupt Frischluftzufuhr. (Quelle: Klimagutachten von 1992) Zu nennen sind hier mehrere Seniorenwohnheime wie etwa das sogenannte Stadtteilzentrum an der Kinzig,  das Seniorenzentrum  am Schlossgarten in der Nordstr.  und ein drittes Seniorenzentrum direkt gegenüber am Sandeldamm.  Ein weiteres geplantes Großprojekt,  das Fachmarktzentrum im  sogenannten Kinzigbogen  liegt ebenfalls in nordöstlicher Richtung der Innenstadt. Hier steht zu befürchten, dass der Freiheitsplatz- das Areal mit dem ohnehin schlechtesten Luftaustausch im Stadtgebiet- weiteren Verschlechterungen der Belüftungssituation ausgesetzt sein wird.

Des Weiteren wird durch den geplanten Bau des Kohlekraftwerksblockes 6 im Kraftwerk Staudinger und der daraus resultierenden erheblichen Umweltbelastung - u.a. werden  hierbei jährlich 2 Millionen Tonnen  des Treibhausgases Kohlendioxid zusätzlich in unmittelbarer Nähe des Stadtgebietes freigesetzt  -  eine deutliche Verschlechterung der Klimasituation für die südlich gelegenen Hanauer Stadtteile ergeben.  Bei den manchmal herrschenden Süd- und Südostwind Richtungen wird  auch die Hanauer Innenstadt davon betroffen sein. Dadurch sind  weitere Erwärmungseffekte zu erwarten, die sich auch am Freiheitsplatz negativ auswirken werden.

Insoweit im  aktuellen Umweltbericht  die Anpflanzung neuer Bäumen auf dem Freiheitsplatz als Ausgleich für die Abholzung großer Teile des gewachsenen Baumbestandes benannt wird, ist darauf hinzuweisen, dass nur eine kleine Anzahl von Bäumen nachgepflanzt werden soll. Daher führt der Stadtumbau in der Innenstadt zu einem deutlichen Verlust an Bäumen im Bestand.

Aufgrund der dichten Bebauung der Hanauer Innenstadt befinden sich auf dem  Freiheitsplatz die letzten räumlichen Ressourcen für die Schaffung einer innerstädtischen Kaltluftinsel, mit der man der künftigen  Überwärmung  der Innenstadt entgegen wirken könnte. Voraussetzung  wäre die Entsiegelung von  Parkflächen  und Schaffung von Grünflächen. Dass dieser große Platz nunmehr vollständig versiegelt  bzw. mit mehrgeschossigen Gebäuden zugebaut werden soll stellt eine städtebaulich und klimapolitisch rückwärtsgewandte Stadtentwicklung dar, die die realen Bedürfnisse der Menschen ignoriert.

Die bisher durchgeführten Stadt klimatologischen Untersuchungen sind ungenügend um eine hinreichende Abschätzung der in Zukunft zu erwartenden klimatologischen Veränderungen vornehmen zu können. Hierauf verweist auch die aktuelle Klimaexpertise des DWD (s. S. 15). Die diesem Gutachten zugrunde liegenden Untersuchungen wurden im  Zeitraum zwischen 1985 und 1992 durchgeführt.  Die damals angewendeten Untersuchungsmethoden und Techniken sind aus verschiedenen Gründen nicht mehr zeitgemäß. Um eine umfassende Abschätzung der klimatologischen Folgen für die Hanauer Innenstadt vornehmen zu können, besteht die Notwendigkeit ein Klimagutachten nach den VDI- Richtlinien 3785 inclusive der Erstellung einer Klimafunktionskarte in Auftrag zu geben. Dies wurde bisher versäumt.

Argumentationshilfe

Einwende gegen das mit der Bebauung des Freiheitsplatzes verbundene 

Verkehrskonzept

Die Planung für die Umgestaltung der Innenstadt ist abzulehnen, weil kein umweltfreundliches Verkehrskonzept dazugehört. Das gesamte Konzept ist auf das Auto abgestimmt. Im Gegensatz dazu sollte ein ökologisches Verkehrskonzept viele Menschen dazu zu bewegen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und auf das Auto zu verzichten. Es gibt Städte, die dies erfolgreich getan haben. 

Die Nutzer des Einkaufszentrums sollen mit dem Auto in die Stadt kommen und in der Tiefgarage parken. Dadurch ist mit einem gegenüber der heutigen Verkehrsbelastung erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen. Autoabgase und CO2 würden verstärkt in der Innenstadt freigesetzt. 

Ein Gegenentwurf wäre ein Park-and-Ride-System mit Parkplätzen an den Einfahrtswegen nach Hanau, gegenüber dem Bahnhof Wilhelmsbad, an der -Kaserne in der Lamboystraße und der ehemaligen Dekalin in der Bruchköbeler Landstraße, eventuell auch am Hafen. Wer in der Innenstadt einkauft, dem kann der Fahrpreis beim Einkauf angerechnet werden. Wenn dies für Parkgebühren möglich ist, müsste das Gleiche für die Busbenutzung gelten. 

In den vorgelegten Plänen wurde nicht detailliert dargelegt, wie die zurzeit am Freiheitsplatz verkehrenden Busse auf einer um die Hälfte reduzierten Fläche untergebracht werden können. Es wurde kein Funktionsnachweis des Busverkehrs für die reduzierte Fläche erbracht. Es wurde nicht eingezeichnet, an welcher Stelle Busse während ihrer Warte- oder Pausenzeiten parken sollen. Auch die Pausenräume für Busfahrer sind in den neuen Plänen nicht eingezeichnet. Die Pläne sehen einen Abriss der denkmalgeschützten Wartehalle im Haltestellenbereich vor. 

Auch der Entwurf für eine Stadtbahn wäre noch einmal zu überdenken. Immerhin bietet er den Vorteil einer besseren Einbindung der umliegenden Gemeinden als es mit den gegenwärtigen Busverbindungen gegeben ist. 

Es ist kein durchgehendes Radwegenetz für die Innenstadt vorgesehen. Einzelne für Radfahrer nutzbare Bereiche ersetzen kein geplantes Radwegenetz. Es wurde kein Radweg in der Mühlstraße vorgesehen. Außerdem fehlen gesicherte Abstellplätze für Fahrräder. Wie kann man eine Neugestaltung der Innenstadt als „großen Wurf“ bezeichnen, wenn darin nicht einmal Radwege vorkommen? 

Der Freiheitsplatz hat zurzeit drei Hauptzufahrten: die Bangertstraße, die Nordstraße und die Mühlstraße. Die Mühlstraße soll in Zukunft für den Pkw-Verkehr entfallen, ebenso die Straße entlang dem Finanzamt. Gleichzeitig wird es durch das Einkaufszentrum mehr Verkehr geben. Dadurch ist mit folgenden Mehrbelastungen zu rechnen: 

·       Laut Verkehrszählung vom 30.6.2010 gibt es in der Innenstadt zurzeit folgende Verkehrsströme (PKW- LKW- und Busverkehr): 

Straße

Motorfahrzeuge pro Tag (alt)

Motorfahrzeuge pro Tag (neu)

Differenz

Bangertstraße

10500

7500

- 3000

Hospitalstraße

10610

7600

- 3010

Im Bangert

2320

6900

+ 4580

Freiheitsplatz Nordseite

11650

7600

- 4050

Nordstraße

8750

7730

- 1020

Mühlstraße

9150

1400

 

Sandeldamm

12950

 

 

Wie kann es sein, dass hier niedrigere Zahlen angegeben sind, obwohl angestrebt wird, die Besucherzahlen der Innenstadt durch das Einkaufszentrum zu erhöhen? Diese Zahlen zeigen, dass hier nicht richtig gerechnet wurde. Außerdem wurde bei diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt, dass zusätzliche Besucher erwartet werden. Laut B-Plan 24, Entwicklung Freiheitsplatz Hanau (verkehrstechnische Untersuchung, erste Ergänzung) werden durch das Einkaufszentrum zu Spitzenzeiten 300 PKW pro Stunde zusätzlich erwartet, weiterhin täglich 175 LKW für die Belieferung.

  • Der gesamte Verkehr zum Freiheitsplatz wird sich erhöhen. Dies bedeutet eine Mehrbelastung für die Anwohner.
  • 175 Lastwagen sollen täglich das Einkaufszentrum beliefern.
  • Die geplante Verkleinerung des Busbahnhofs würde zu einer Verkleinerung der Stand- und Verkehrsflächen für den öffentlichen Nahverkehr führen. Dadurch sind Staus vorprogrammiert.
  • Auch die Verkehrsbelastung im Bereich des Stadtkrankenhauses wird sich vermutlich erhöhen.
  • Durch das zusätzliche Verkehrsaufkommen ist mit einer höheren Lärmbelastung und mit mehr Abgasen zu rechnen.
  • Die Frage, ob die Fahrstraße und die Nürnberger Straße weiter befahren werden sollen, ist noch nicht beantwortet. Eine integrierte Verkehrsplanung muss diese Gesichtspunkte berücksichtigen, bevor größere Baumaßnahmen geplant werden.

Argumentationshilfe

Zum Baugrund 

Punkte zu:
Geotechnische und umwelttechnische Erkundung
Orientierendes Baugrundgutachten und Abfalltechnisches Gutachten           Untergrundmodell

Grundwasserhaltung 

Im Falle einer Grundwasserabsenkung müssen Baufelder in Abschnitte unterteilt werden, damit die Wassermengen minimiert werden können. Da man damit rechnet, große Wassermengen in die Kinzig leiten zu müssen, ist hierfür eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Ist diese mittlerweile erfolgt? Wenn ja, wie sieht das Ergebnis dieser Prüfung aus? Wenn nein, welche Lösungsmöglichkeiten gäbe es, wenn diese negativ ausfallen sollte?  

Sind Grundwasseruntersuchungen  im Ostteil des Freiheitsplatzes vorgenommen worden. Wenn nein, wann wird dies geschehen? Welche Ergebnisse sind zu erwarten?  

Risiken für benachbarte Bauwerke des Freiheitsplatzes 

Bei Teilen des Freiheitsplatzes ist aufgrund von Bauaufschüttungen und Resten von Vorbebauungen sowie durch Hohlräume bis zu einer Tiefe von 4,5 m die Bodenbeschaffung als nicht tragfähiger Baugrund einzustufen. Erst darunter wurde tragfähiger Grund festgestellt. Aufgrund der örtlichen Verhältnisse wird eine Baugrubensicherung erforderlich und ein befahrbares Planum, da die Baugrube nicht für das Befahren mit schwerem Gerät geeignet ist.  

Durch Tiefbauarbeiten wie Rückbau an massiven unterirdischen Bauwerksresten könnte es doch zu deutlichen Erschütterungen wie durch Meißeln etc. an Schäden benachbarter Bauwerke führen (Schwingungsübertragungen durch Altbebauung im Untergrund). Unabhängig davon besteht durch evtl. Grundwasserabsenkungen die Gefahr von Setzungsschäden an benachbarten Bauten. Inwieweit sind durch diese Risiken Wohnhäuser und Straßen und insbesondere  Hochbauten wie das Gewerkschaftshaus und das Y-Haus gefährdet? Besteht durch den Bau der Tiefgarage für die enge Wohnbebauung  im Bereich der Straße „Im Bangert“ ein erhöhtes Risiko für Bauwerke und Straßen?? 

Die Innenstadt von Hanau wurde im 2. Weltkrieg durch Bombardierung nahezu völlig zerstört. Es ist zu befürchten, daß Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg während der Baumaßnahmen gefunden werden können.  Die Blindgängerquote bei Sprengbombenabwurf wird mit 9 % angegeben. Auch die Anwesenheit eines Feuerwerkers und Kampfmittelsondierungen im Vorfeld können nicht verhindern, daß  bei evtl. Funden eine Gefahr ausgehen kann und ggf. weitreichende Evakuierungen bei den umliegenden Gebäuden vorgenommen werden müßten. Welche Vorbereitungen werden für diesen Fall getroffen und werden diese ausreichend sein? 

Risiken für die sich unter dem Freiheitsplatz befindende Kanäle, Versorgungs- und Gasleitungen

 

Das Gutachten sagt aus, daß die Gefahr von Kanalbeschädigungen gegeben ist, da  Trägerbohlwände sich ggf. baugrubenseitig neigen könnten was zu Extensionen im Boden hinter dem Verbau und damit zu Rissen in Kanälen und Straßen führen kann. Sind die geplanten baulichen Sicherungsmaßnahmen ausreichend? Welche Lösungen existieren für den Fall der Fälle? 

Im Bereich Busbahnhof/Parkplatz befinden sich Versorgungsleitungen wie Strom, Wasser sowie eine Gasleitung, die einen Großteil der Stadtversorgung darstellt. Gilt dies auch für den restlichen Freiheitsplatz? Wie sieht es im Bereich der Straße „Im Bangert“ aus? Inwieweit müßten Versorgungsleitungen durch die Freiheitsplatz-Umbebauung stillgelegt werden? Wie gedenkt man, zukünftig diese Versorgungsleitungen zu ersetzen? Wie ist hier der Kostenrahmen?  

Mehraufwendungen 

Laut Gutachten bewegen sich die bisher geschätzten Mehraufwendungen durch besondere technische Anforderungen an die Bauausführung und zu erwartende Erschwernisse während der Bauarbeiten auf ca. 608.000,-- €. Hierbei geht man davon aus, daß der Baubetrieb durch Erschwernisse nicht behindert wird und Stillstand für bereitstehendes Gerät durch eine angepaßte Zeit- und Ablaufplanung vermieden werden kann. Bei der Komplexität und den Risiken dieses Bauvorhabens ist von einer Utopie auszugehen, diesen Kostenrahmen zu halten.

Mehrkosten seien lt. Gutachten zu erwarten:

Unterirdischen Bauwerken

Archäologisch relevanten Funden

Kampfmittelverdacht

Entsorgung von schadstoffbelastetem Boden und belastetem Bauschutt 

Durch die Verlegung der zuerst geplanten Tiefgarage an der Ostseite unter die Gebäude Barthel/Karstadt ergeben sich evtl. andere Voraussetzungen in Bezug auf die Bodenbeschaffenheit.  Ist  mit einer Erhöhung der Mehrkosten zu rechnen?